Neulich hab ich in Rothenburg übernachtet, in dem ob der Tauber, wie es korrekt heißt. Möglicherweise war ich in dieser Nacht der einzige Gast in einer Stadt, die in normalen Zeiten drei Millionen Menschen jährlich besuchen. Ich kam nachmittags an, absolvierte drei Termine und beschloss, einen kleinen Spaziergang …

… zu machen. Ich kannte Rothenburg nicht, und vielleicht auch deswegen kam ich mir in den nächsten ein, zwei Stunden vor, als sei ich im Nebel in ein zurückliegendes Jahrhundert getapert.

Um acht musste ich zurück im Schwarzen Adler sein; der Hotelkoch wollte mir ein Risotto machen, weil ja sonst alles geschlossen war. Dann klopfte es an die Zimmertür. Der Hotelchef selbst stand davor und hielt ein Tablett in der Hand, auf dem neben dem Risotto auch noch ein Becher Eis stand. Ein ziemlich großer Becher. “Ist Pistazie”, sagte er. “Was??” entgegnete ich.

Dazu muss man wissen, dass ich Pistazieneis liebe – wenn es nach mir ginge, müsste es keine anderen Sorten geben. Dementsprechend verblüfft war ich, und wahrscheinlich lag mein Gesichtsausdruck irgendwo zwischen “Wie kann denn das bitteschön sein?” und “HER DAMIT!!!” Statt Dankeschön zu sagen, stammelte ich etwas von “Woher wissen Sie denn …?” und “Das ist ja …” und ähnlich wirres Zeugs. “Wir mögen zwar nicht das modernste Haus vor Ort sein”, erklärte der Hotelchef, “aber wir kümmern uns um unsere Gäste. ” Und dann meinte er noch, dass ich irgendwann in irgendeinem Interview gesagt hätte, wie sehr ich Pistazieneise möge, und dieses Interview habe er gefunden, als er nachmittags gegoogelt habe, und deswegen …

Es gibt Dinge, die ein Hotel unvergesslich machen. Manche Hotels glauben, das seien freistehende Badewannen oder Fenstervorhänge, die man vom Bett aus fernsteuern kann. Für mich ist es ein Hotelier, der sich kümmert. Und ein Pistazieneis natürlich. Das Risotto hab ich anschließend leider nicht ganz geschafft.